„Wann darf ich mich endlich wieder massieren lassen?“ Diese Frage stellen mir Patientinnen und Patienten oft schon am Telefon, wenige Wochen nach ihrer Hüft- oder Knie-OP. Die ehrliche Antwort ist kurz: wenn Ihr Arzt Ja sagt. Was dahintersteckt und wie Sie schneller zu einer klaren Antwort kommen, erkläre ich in diesem Beitrag.
Einen Überblick über Massage nach einer Operation, von den typischen Verspannungen bis zum Ablauf eines Termins, finden Sie auf der Seite Massage nach einer Hüft- oder Knie-OP.
Warum der Arzt entscheidet
Ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk ist ein großer Eingriff. Haut, Muskulatur und Gewebe rund um das Gelenk brauchen Zeit, um zu heilen, und das Risiko für Komplikationen wie eine Thrombose ist in den ersten Wochen erhöht. Ob eine Massage in dieser Zeit sinnvoll ist, kann nur jemand beurteilen, der Ihren Heilungsverlauf kennt. Das ist Ihr Operateur, Ihr Hausarzt oder das Team in der Reha.
Als staatlich anerkannte Masseurin stelle ich keine Diagnosen und lege keinen Zeitpunkt fest. Ich frage vor dem ersten Termin nach der Freigabe und richte mich nach dem, was Ihr Arzt vorgibt.
Wovon der Zeitpunkt abhängt
Ihr Arzt bezieht bei seiner Entscheidung mehrere Punkte ein. Wenn Sie diese kennen, verstehen Sie besser, warum die Antwort bei Ihnen anders ausfallen kann als bei Ihrem Nachbarn mit derselben Operation.
- Art der Operation. Hüftgelenk, Kniegelenk, Teilprothese oder Wechseloperation verlaufen unterschiedlich.
- Wundheilung. Solange die Wunde nicht verschlossen ist oder Fäden und Klammern gezogen werden müssen, bleibt das Operationsgebiet tabu.
- Thromboseprophylaxe und andere Medikamente. Blutverdünner machen das Gewebe empfindlicher für Druck.
- Komplikationen. Nach einer Infektion, einer Thrombose oder einem Wechsel der Prothese gelten andere Regeln.
- Welcher Bereich massiert werden soll. Der Rücken liegt weit weg von der Hüfte und noch weiter vom Knie. Eine Massage dort ist deshalb oft früher möglich als am operierten Bein.
Die Phasen nach der OP und wo die Massage hingehört
Der Weg nach einem Gelenkersatz verläuft in Deutschland meist in drei Abschnitten. Die Zeiten sind Richtwerte und können im Einzelfall deutlich abweichen.
| Phase | Was passiert | Rolle einer Massage |
|---|---|---|
| Krankenhaus, meist einige Tage | Operation, erste Schritte mit Gehhilfen, Wundversorgung | Keine Massage in meiner Praxis |
| Anschlussheilbehandlung (AHB), meist rund drei Wochen | Reha ambulant oder stationär, Training mit Physiotherapeuten | Nur wenn Reha und Arzt es ausdrücklich befürworten |
| Zurück im Alltag | Weiter mit Übungen, schrittweise weniger Gehhilfen, oft noch Schonhaltung | Mit Freigabe des Arztes: Nacken, Schultern, Rücken, nicht operiertes Bein |
| Wieder aktiv | Wandern, Radfahren, Schwimmen, Golf, Reisen | Sportmassage zur Regeneration, je nach Freigabe auch am operierten Bein |
Die meisten Patientinnen und Patienten kommen in der dritten Phase zu mir, wenn sie wieder zu Hause sind und merken, dass Schultern und Rücken mehr schmerzen als das neue Gelenk. Warum das so ist, beschreibe ich im Beitrag Warum Nacken und Schultern nach einer OP so verspannt sind.
Diese Fragen sollten Sie Ihrem Arzt stellen
„Darf ich mich massieren lassen?“ ist für einen Arzt schwer pauschal zu beantworten. Konkrete Fragen bringen eine klarere Antwort. Nehmen Sie diese Liste zum nächsten Termin mit:
- Darf ich mich an Rücken, Nacken und Schultern massieren lassen?
- Darf das nicht operierte Bein massiert werden?
- Ab wann darf das operierte Bein selbst massiert werden? Gibt es Bereiche, die ausgespart bleiben müssen?
- Welche Lagerung ist erlaubt: Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage? Darf ich das Bein über 90 Grad beugen?
- Muss ich wegen meiner Medikamente etwas beachten?
- Gibt es Anzeichen, bei denen ich eine Massage absagen sollte?
Schreiben Sie die Antworten auf und bringen Sie den Zettel zum ersten Termin mit. Dann sehen wir beide auf einen Blick, was möglich ist.
Auf Mallorca operiert: die Fragen auf Spanisch
Viele Residenten lassen sich auf Mallorca operieren oder gehen dort zur Nachkontrolle. Wenn die Verständigung schwierig ist, helfen diese Sätze beim Traumatólogo oder im Centro de Salud:
- ¿Puedo recibir un masaje en la espalda, el cuello y los hombros?
Darf ich mich an Rücken, Nacken und Schultern massieren lassen? - ¿Se puede masajear la otra pierna?
Darf das andere Bein massiert werden? - ¿A partir de cuándo se puede masajear la pierna operada?
Ab wann darf das operierte Bein massiert werden? - ¿Qué posturas están permitidas: boca arriba, de lado, boca abajo?
Welche Positionen sind erlaubt: Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage? - ¿Tengo que tener en cuenta algo por mis medicamentos?
Muss ich wegen meiner Medikamente etwas beachten?
Blutverdünner und Thrombose: warum ich nachfrage
Nach einem Gelenkersatz bekommen viele Patientinnen und Patienten für einige Wochen ein Mittel zur Thromboseprophylaxe, als Spritze oder Tablette. Manche nehmen schon vorher dauerhaft einen Blutverdünner. Für die Massage bedeutet das: Das Gewebe reagiert empfindlicher, blaue Flecken entstehen schneller. Ich passe den Druck deshalb an und frage vor jedem ersten Termin nach Ihren Medikamenten.
Eine Thrombose selbst ist ein Notfall. Schmerzen, Schwellung, Spannungsgefühl oder Überwärmung in der Wade, besonders auf einer Seite, gehören sofort ärztlich abgeklärt. Ebenso plötzliche Atemnot oder Schmerzen in der Brust. Mit solchen Anzeichen sagen Sie den Massagetermin bitte ab und gehen zum Arzt.
Wenn Ihr Arzt noch Nein sagt
Manchmal lautet die Antwort: noch nicht. Das ist frustrierend, wenn Schultern und Rücken seit Wochen schmerzen. Meist steckt ein konkreter Grund dahinter, etwa eine Wunde, die noch nicht ganz verheilt ist, ein erhöhtes Thromboserisiko oder eine Kontrolle, die noch aussteht. Fragen Sie nach dem Grund und danach, wann Sie wieder fragen dürfen. Oft ist das Nein nur ein „in zwei bis drei Wochen“.
Bis dahin können Sie selbst einiges tun, das Nacken und Schultern entlastet:
- die Gehstützen auf die richtige Höhe einstellen lassen, damit Sie die Schultern nicht hochziehen
- mehrmals am Tag im Sitzen die Schultern hochziehen, kurz halten, fallen lassen und nach hinten kreisen
- eine Wärmflasche auf Nacken und Schultern legen, wenn Ihnen das guttut, aber nicht auf das operierte Gelenk
- lange Wege in kurze Etappen mit Pausen aufteilen
- das Kissen so anpassen, dass der Nacken in Rückenlage nicht abknickt
Diese Maßnahmen ersetzen keine Massage, aber sie verhindern, dass sich die Verspannungen in der Wartezeit festsetzen.
Später: die Freigabe für das operierte Bein
Die Freigabe für das operierte Bein kommt fast immer später als die für Rücken und Schultern. Wenn sie da ist, ändert sich für die Massage einiges. Die Muskulatur rund um das neue Gelenk hat in den Wochen nach der OP viel geleistet und ist oft verhärtet: bei der Hüfte das Gesäß und die Außenseite des Oberschenkels, beim Knie Oberschenkel und Wade.
Auch dann bleibt die Narbe selbst ausgespart, solange Ihr Arzt nichts anderes sagt, und ich beginne mit wenig Druck. Fragen Sie Ihren Arzt bei dieser Gelegenheit auch nach der Bauchlage. Nach einer Knie-OP kann der Druck auf das Knie dort anfangs unangenehm sein, nach einer Hüft-OP ist die Bauchlage oft erst später erlaubt.
Wenn die Freigabe da ist
Mit der Zustimmung Ihres Arztes können Sie einen Termin vereinbaren. Welche Massage dann passt, hängt davon ab, wo es gerade zieht und wie aktiv Sie wieder sind. Das beschreibe ich im Beitrag Welche Massage passt nach einer Hüft- oder Knie-OP?. Wie der Termin selbst abläuft und was Sie mitbringen sollten, steht unter Wie läuft ein Massagetermin mit neuem Gelenk ab?.
Ich bin staatlich anerkannte Masseurin und medizinische Bademeisterin mit über 30 Jahren Berufserfahrung und massiere in Cala Ratjada im Nordosten Mallorcas. Mehr über meine Massagen lesen Sie auf der Startseite.